Friday Fail #50 – Musikgenrenazis.

Ohh! Sie hat Nazis geschrieben!! Bitte kackt euch nicht ein, aber Musikrassismus ist genauso scheiße wie jede andere Form von Rassismus. Vielleicht nicht ganz so schlimm und scheiße wie der eigentliche, aber trotzdem genauso unnötig.

Kein Musikgenre ist besser als ein anderes! KEINES! Und wie ich schon oft gesagt habe ist es einfach eine Sache von persönlichen Vorlieben, die sich übrigens nicht dadurch entwickeln, dass ein jemand dir vorschreibt was du zu tun oder zu hören hast. Deswegen hat auch keiner das Recht zu behaupten, dass sein Musikgeschmack besser ist als der eines anderen. Man hat sowieso niemals das Recht jemanden etwas vorzuschreiben, was er zu tun, zu hören oder was auch immer hat. Und wieso nehmen sich manche das Recht raus jemanden als „uncool“ zu bezeichnen, nur weil er diese „uncoole“ Band toll findet? Solange die Band kein außerordentlich widerliches Gedankengut verbreiten will gibt es keine „schlechten“ Bands.

Also wirklich. Hat euch jemand ins Hirn geschissen? Sollten wir Deutschen nicht aus der Geschichte lernen und nichts über etwas anderes stellen? Kein Wunder, dass die Deutschen keinerlei Nationalstolz haben dürfen – dieser läuft jedesmal nur aus dem Ruder. Es gibt noch viel zu viele, die weiterhin irgendwelche Ideologien veröffentlichen ohne einmal darüber nachzudenken wie das wirkt und vor allem wie das von Außenstehenden aufgenommen wird. Und sind wir mittlerweile nicht zu Alt um Mobbing zu betreiben? Achso, wir sind theoretisch zu alt. Der Geist wächst ja nicht automatisch mit der Körpergröße mit… sorry, ich vergaß.

Wie ich auf dieses Thema komme? Ganz einfach: Auf Facebook muss ich von meinen sogenannten Freunden sehr viel Mist von diesem Kaliber lesen. Die schreiben ernsthaft, ohne einmal ihren verstaubten Verstand anzustrengen, Sätze wie:

„No Core! No Nu! No Gothic! No Screamo! No Poser! NO BULLSHIT!!!!! Nur Metal, wie er sein sollte: heavy, wild, laut, dreckig, schnell und energiegeladen!“

Oder sogar:

„Abniffen auf höchstem Niveau und das alles ohne Drecks EMP-Mittelalter-Pseudometal!! (…)
I hope that you get hit by a bus. Why?
Poser metal sucks!
Goth clothes and frowns, just like we discussed,
You suck!!“

Ich weiß in solchen Momenten nicht, ob ich noch irgendetwas mit diesen Menschen zu tun haben möchte. Der individuelle Geschmack und vor allem die Einzigartigkeit des Mensches wird doch so nur noch mehr abgeschnürt, dass diese letztendlich stirbt. Wollen wir denn wirklich eine graue Masse aus Menschen sein, die gleich denkt, gleich handelt und alle den gleichen Geschmack hat?
Natürlich ist es schön Leute mit einem Musikgeschmack zu treffen, der dem eigenen ähnlich ist, aber muss man denn diese Leute mit solch drastischen Mitteln erzeugen? Ich sage das deshalb, weil ich weiß wie das ist, wenn keiner die Musik gut findet, die man selbst abgöttisch liebt. Aber habe ich angefangen zu sagen, dass alle anderen Mist hören? Wenn ich das jemals getan haben sollte, dann entschuldige ich mich hiermit!

Wer hat eigentlich die Definition aufgestellt, wie Metal zu sein hat? Wer? Soll er so sein wie er einst von Black Sabbath zusammen gestampft wurde? Oder so wie die Bands ein Jahrzehnt später diesen Sound imitieren wollten und dabei kläglich versagten und letztendlich nicht ohne Grund nie aus ihrer Versenkung herauskamen? Klärt mich auf.

Außerdem finde ich diese Sätze äußerst ironisch. Die sprechen sich gegen „Poser“ aus aber diese Aussagen wirken auf mich einfach nur gestelzt und „geposed“. Nichts ist trauriger, wenn jemand auf Krampf cool sein will. Vor allem wenn das „cool“ sein aus dem nichts kommt. Damit meine ich, wenn etwas nur gemacht wird, weil es alle machen bzw etwas anzieht, weil es alle anziehen. Prinzipiell gesehen ist diese Art nur ein mitläuferischer Akt von qualvoll erzwungenem Zusammenhörigkeitszwang: „Yeah! Ich hab mir jetzt weiße Sneaker gekauft und mich in eine viel zu enge Jeans gepresst! Ich bin cool! Sei mein Freund, da ich jetzt auch sowas trage wie du!“.

Musik verändert sich nun mal über die Zeit und das ist großartig! Ich würde mich zu Tode langweilen, wenn es nicht kontinuierlich neue Musik von neuen Bands geben würde. Und damit meine ich wirklich neue Musik, nicht irgendwelche Schrammelbands, die so klingen wollen wie die Schrammelbands aus den 80ern. Das ist einfach nur unkreatives Aufspringen auf einen Hype, der einen womöglich schnellen Erfolg garantiert. Meiner Meinung nach ist Erfolg aber ein lang andauernder Prozess von wirklicher Leidenschaft für etwas bestimmtes. Nicht ohne Grund gibt es viel zu viele One-Hit-Wunder. Man muss erst einmal eine stabile Basis bilden um dann langfristig Spaß und Erfolg mit etwas zu haben.

Ein letzter Gedanke zum Schluss, da mir noch einmal das zweite Zitat durch den Kopf gegangen ist: Sind wir mal ehrlich! Alle, die jetzt Metal hören, haben früher begeistert im EMP herumgeblättert (zwar nicht wegen der Musik – aber das ist mal zweitrangig). Och, wisster was, dieses Zitat ist mir zu doof. Ich mag eigentlich gar keine Zeit daran verschwenden und beweisen wie doof es ist.
Aber eins mag ich noch sagen: Die Gothik-Szene ist womöglich eine der offenen, die ich mir vorstellen kann. Da wird mit Gewissheit keiner solche Sätze schreiben – geschweigedenn jemanden wegen einer Band oder seinem Aussehen diskriminieren!

Menschen sind echt manchmal traurige Wesen. Ich mag sie sehr oft nicht. Es wird Zeit, dass ich mein neues T-Shirt anziehe!
Diskriminieren Tiere eigentlich, andere Tiere?