Friday Fail #45 – Fashion Hero.

Es gibt mal wieder ein kleines Jubiläum und auch ein großes Wunder. Ich fange wieder an regelmäßig Friday Fails zu schreiben – hoffentlich. Der letzte ist übrigens eher mehr aus purem Zufall entstanden. Ich hatte plötzlich so viel Hass in mir, den ich irgendwohin entladen werden musste. Diesen Ballast, so denke ich, habe ich erfolgreich abgeladen.

Das worum es heute gehen wird, macht mich nicht nur wütend sondern auch traurig. Es geht um das neue Format von Prosieben: Fashion Hero.

Ich war so glücklich, dass endlich etwas über den Kreativprozess um Mode im Fernsehen kommt und dann das. Ich weiß gar nicht wie ich meine Enttäuschung über dieses Format in Worte fassen soll. Ich dachte es ist die deutsche Variante von Project Runway. Aber wer das denkt liegt total falsch. Es ist einfach nur eine besser budgetierte QVC Sendung. Ich weiß nicht womit ich anfangen soll mich aufzuregen. Einzig und allein wegen dem Prozess im Designerloft ist diese Sendung etwas interessant. Sobald aber die unfähigen Models mit den teilweise recht hübschen Stücken und teilweise ziemlich öden Fetzen auf den Laufsteg umherstaksen kann man getrost vorspulen – soweit man diese mistige Sendung streamt.

Denn hier kommt nämlich der große Haken dieser Sendung. Die Designer sind dazu verpflichtet oder verdammt etwas zu gestalten, was nicht ihnen gefällt, sondern etwas was sie verkaufen können. Das dadurch die ganze Kreativität total wegbricht und die Designer so in einer gewissen Art ihre Seele ein weiteres Mal verkaufen, das scheint sehr vielen egal zu sein. Aber den meisten beteiligten Modedesignern ist das wahrscheinlich total aus den Blick gerutscht, nachdem sie von der Tatsache der Gewinnbeteiligung gehört haben.

Diese nette Geste macht aber trotzdem nicht die Unfähigkeit der „Mentoren“ wett. Das sind aus meiner Perspektive drei Hampelmänner, die drei Stühle füllen und unkreative Sätze von sich schleudern müssen: „Also ich würde das sofort kaufen!“ oder „Das finde ich nicht, denn Stella McCartney hat sowas ähnliches…“ oder sogar „Ohhh, das find ich toll.“. Von den einsilbigen Bewunderungen („WOW“, „Der Hammer“, „Der Wahnsinn“) während die Models auftreten brauch ich hoffentlich nicht anfangen.

Selbst bei den Gesprächen mit den Designern im Loft geben sie nur halbgare Kommetare von sich. Besonders die andere Frau neben Claudia – wie auch immer sie heißen mag. Die sagt entweder: „Das find ich gut.“ oder „Das wird schwierig.“. Aber so richtige gute Kritik gibt keiner. Nicht einmal der Mann in der Runde. Der scheint etwas gebildeter in kreativen Bereich zu sein aber seine wirkliche Meinung mit konstruktiver Kritik scheint er nicht äußern zu dürfen. Beziehungsweise schneidet Prosieben diese kunstvoll heraus. Ich habe immerhin noch nichts wirkliches aus dieser Sendung mit nach Hause nehmen können…

Was eigentlich befähigt Claudia Schiffer dazu Schirmherrin über eine Mode-Design Sendung zu werden. Sie war MODEL und nur weil sie mit Karl Lagerfeld zusammengearbeitet hat, hat sie plötzlich Ahnung vom Designprozess?? Außerdem sagen alle anderen dort partizipierenden Designer, dass sie niemals auf die Meinung von ihren Models hören würden. Also wo ist jetzt die Ironie versteckt?

Die einzig wahren authentischen Personen in dieser Show sind die Einkäufer für Karstatt und S.Oliver. Die von Asos ist mir irgendwie suspekt. Die ist so möchtegern hipp. Das mag ich gar nicht. Vielleicht überspielt sie nur ihre Aufregung und kommt deswegen so rüber. Wer weiß…

Das was mich noch an dieser Sendung stört ist der Live-Sandkasten-Spielzeit-Flair. Es sind diese unnötigen Witzelleien vom Moderator und dieses ständige: „Claudia, ziehst du das mal bitte an?“. Es ist keine Liveshow aber wieso muss dann so ein scheiß mit hinein. Wenn es in der Tat wirklich lustig wäre, könnte ich damit leben, aber diese „lustigen“ Stellen sind einfach nur gewollt sexistisch in diese Sendung implantiert worden. Ohne würde man damit auch gut auskommen.

Das traurigeste kommt natürlich am Schluss: Ich werde mir diese Sendung trotzdem bis zum bitteren Ende anschauen – denke ich. Das ist für mich wie ein Autounfall.