Friday Fail #56 – rassistisch Essen.

Selbst Pharrel Williams dummes Lied „Happy“ kann es nicht verhindern, dass ich endlich einen neuen Friday Fail zusammen tippe. Ich weiß, es ist schon 4 Monate her seit ich den letzten geschrieben habe. Diese Fail-Stille hat nichts mit einer Mist-Stille in meinem Leben zu tun. Nein. Nur mit sehr viel Chaos im Hirn. In den letzten Monaten prasselte so viel Unsinn auf mich ein, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte, worüber ich als erstes meine Stimme erheben sollte.

Letztendlich wird das Thema nichts von alledem werden. Ich werde heute eher meine Enttäuschung den Deutschen gegenüber auslassen. Der Titel ist übrigens Programm, denn nicht nur Asylbewerber werden wie die Pest gehasst, sondern auch ausländisches Essen in der originalen Zubereitung.

Aber fangen wir von vorn an: Immer wenn ich Aufmunterung brauche, esse ich und das muss ich in letzter Zeit sehr oft. Ich weiß, das man es mir nicht ansieht, aber es stimmt. Meine Wahl fällt dann entweder auf Quarkkäulchen oder irgendwas asiatisches – meist irgendeine Instant Nudelsuppe. Es muss ja schnell gehen.

Da aber diese zwei Varianten mit der Zeit etwas einseitig wurden, begab ich mich in Freiberg auf die Suche nach einem Asiarestaurant, welches auch traditionell zubereitete Speisen neben den Standard-Nudeln anbietet. Ratet mal wie viele ich gefunden habe? Ja, genau! Ein einziges!!! Das kann doch nicht wahr sein.

Nun stellt sich mir die Frage, wieso wir idiotische Menschen ausländisches Essen nicht so genießen können wie es vorgesehen ist? Nein es muss immer noch ein deutscher Twist mit in die Nudeln und in die Handhabung der Essstäbchen. Idealerweise sollte man letztere ziemlich weit am Ende anfassen, oder es sieht aus als würde man seine nicht-wirklich-asiatischen Nudeln mit Ikea Bleistiften essen. Sind wir so ignorant, dass uns selbst dieser Anwendungsfehler des Bestecks am Arsch vorbei geht? Das erinnert mich jetzt irgendwie etwas an Arielle und ihren Dingelhopper. Nur hat sie gemerkt, dass die Gabel doch nicht zum Haare kämmen benutzt wird.

Und zu den Nudeln:  Nur weil die Dinger in Sojasoße gewälzt und von einem Asiaten serviert wurden heißt das noch lange nicht, dass es sich hier um ein authentisches Gericht handelt. Demnächst ist Reis, der mit Currypulver bestreut wurde auch ein unglaublich authentisches indisches Essen. Mir kommt es so vor, als wäre ich die einzige, die es äußerst erquickend findet und Wert darauf legt die eigenen Geschmacksknospen in wiederkehrenden Intervallen mit neuen Eindrücken bespielen zu können. Natürlich kann man mit diesem kulinarischen Forschungsdrang auch mal mächtig in die Senkgrube greifen, aber wer nicht wagt kann auch niemals gewinnen.

Nein. Stattdessen sind wir pseudo. Pseudo weltoffen, pseudo fremdenfreundlich und pseudo lernbegeistert.

Das fängt und hört mit den eindeutig rechts gerichteten Besuchern eines asiatischen Lokals an und auf. Wird es über diese Randgruppe auch bald so einen eingängigen Song geben wie über die Döner Skinheads? Aber was wundert es mich? Selbst auf Arbeit bekomme ich unglaublich rassistische Sätze um den Kopf geschleudert. Da merkt man wirklich mit welcher Bildungsschicht man steckt und agiert. Oder würde ein normal denkender Mensch nach einem normalen Plausch mit einem Perser anmerken, dass die ganze Sippe arrogant sind und ihre eigene Religion als die hochwertigste empfinden? Ich könnte deswegen gerade unglaublich aus der Haut fahren. Ungebildete Menschen und Asylpolitik sind eben keine gute Kombination. Dieses Thema ist aber schon wieder sein ganz eigener Friday Fail, deswegen wende ich mich mal wieder dem eigentlichen Thema zu, bevor ich den Rahmen nur noch mehr sprenge.

Ich bin dafür, dass wir die Esskultur verschiedener Kulturen mit offeneren Armen aufnehmen, damit wir diese in einer unverfälschten Art und Weise absorbieren und auch genießen können. Auch hier ist meiner Meinung nach Authentizität das Stichwort. Nur wer sich nicht verstellt und zu sehr anpasst sticht auch der Masse heraus. (Dies war ein Tipp an die Asiaten, die ein Lokal eröffnen wollen. Macht euch einzigartig!)

Ohne Scheiß jetzt: Findet ihr es nicht auch komisch, dass man von Asiate zu Asiate durch ganz Deutschland tingeln kann und überall schmeckt es gleich?! In Köln schmeckt es genauso wie in Freiberg. Wo ist denn da noch der Reiz Reis zu essen? Ich weiß ich bin womöglich die Einzige, die bei der Wahl ihrer Nahrung experimentierfreudig ist, aber Abwechslung bringt doch Spannung ins Leben. Wir können nicht immer nur die „sekzen“ zum Mitnehmen bestellen.

Mein großer Traum ist es ja, einmal das, was die Besitzer eines Asialadens nur für sich selbst zubereiten, genießen zu können.

Denkt mal über meine Worte nach. Der große Slogan ist hier „Horizonte erweitern“!! Ich habe übrigens absichtlich immer Asiarestaurant geschrieben. Die Beschreibung „China Restaurant“ ist für mich nämlich nur noch die Krönung der Unwissenheit. Die meisten Läden werden nämlich von Vietnamesen oder Thailändern geführt…