DB: schrecken und Chaos.

Ah! Wie ich sie liebe. Die Deutsche Bahn. Als ich das Letzte mal mit ihr fahren durfte bin ich mal wieder in Gera gestrandet.

Die Geschichte spielt an einem minimal verschneitem Samstag (genau der 27te Oktober). Alle Züge im Bahnhof hatten schon irgendwie misteriöse Verspätungen bis auf meinen. Mensch habe ich mich gefreut – also noch. Paar Minuten später schlägt das Schicksal auch bei mir zu und mein Zug hat plötzlich 20 Minuten Verspätung. Als ich dann einsteigen konnte, hatte ich mich wieder zu früh gefreut. Der Zug steckte dann plötzlich ohne ersichtlichen Grund eine dreiviertel Stunde (oder mehr) an einer unregelmäßigen Haltestelle vor Jena fest. In der Zeit habe ich einen netten barfüßigen Linuxenthustiasten kennengelernt.
Der Zug fuhr dann nach mehreren längeren Warten auf den Bahnsteigen bis nach Gera und da blieb er. Ich auch – sehr unfreiwillig.

Die Auskunftdamen waren auch keine Hilfe. Deren Druckerpatrone war alle und die hatten auch keine Taxigutscheine mehr. Unfreundlich waren die auch. Die wollte mich über Leipzig nach Hause schicken, aber dann wäre ich erst 1:04 angekommen. Darauf hatte ich keinen Bock.
Nachdem ich endgenervt und verzweifelt Peter angerufen hatte, bot er sich an mich abzuholen. Aber vorerst hatte ich noch etwas Hoffnung. Das mit der Endhaltestelle Gera ist mir nämlich schon vor zwei Jahren passiert. Da war aber wesentlich höheres Schneetreiben und selbst die Autos hatten große Probleme vorwärts zu kommen.

:RÜCKBLICK:

Vor zwei Jahren hing ich mit einer Bummelbahn in Vieselbach fest (dank Weichenvereisung #1). Dank meines weiblichen Charmes hat mich jemand, der von einem Auto abgeholt wurde mit nach Gera genommen. Im Gegensatz zu heute hatte ich damals noch mein batterieschwaches Handy und zudem noch kein Geld mehr auf der Orgel. Dann stand ich da. In Gera und nichts fuhr und ging mehr. Die Gleisauskünfte waren passenderweise auch ausgefallen.

Ich weiß nicht wie ich drauf gekommen bin, aber ich hab mich dann für einen Zug nach Leipzig entschieden. Das war übrigens in dieser Nacht der Einzige der noch fuhr. Also solange bis wieder eine Weichenvereisung dem Vorhaben in die Quere kam. Diese Weiche bekamen die Schaffner zum Glück wieder frei. Bei der dritten Vereisung auf meiner ganzen Oddysee, knapp vor Leipzig, hatten die Zugführer anscheinend keine Lust mehr und haben sich nen faulen Lenz in der schönen warmen Fahrerkabine gemacht. Achso. Der restliche Zuginnenteil war vom Eise beschneit. Quasi ARSCH-Kalt.

Aus dieser auswegslosen Situation, die vollgestopft mit Anrufen von meinen Eltern und Peter waren, befreite mich meine großartige Kontaktfreudigkeit. (Hüstel…) Die junge Frau, die mir gegenüber saß, hatte in Leipzig zum Glück eine Freundin, die Bock auf Autofahren hatte. Bei den Beiden durfte und konnte ich dann zum Glück mitfahren. Am Hauptbahnhof wurde ich dann abgesetzt und meine Reise ging mit der wieder fahrenden Straßenbahn weiter. (Zum Glück hatte ich noch zwei Euro für das Ticket.)

Nach einer weiteren Bekanntschaft, die mir einen Schlafplatz anbot, falls ich mein Ziel nicht finden sollte, traf ich in den frühen Morgenstunden bei Peters Schwester ein. Am nächsten Morgen bin ich dann hingegen ohne Probleme nach Hause gekommen.

(Muss ich noch extra erwähnen, dass ich diesem Winter dann nur noch ungern mit der Bahn gefahren bin? Ich hab sogar die letzten Uniwochen deswegen geschwänzt.)

:RÜCKBLICK ENDE:

Vor zwei Wochen war meine Bahnstory wenigstens nicht so spektakulär. Es kam dann nämlich irgendwann noch ein Zug, der SACHSEN in seiner Fahrzielanzeige hatte. In den bin ich dann auch eingestiegen und durfte warten. Das war dann auch wesentlich weniger nervig als die zwei Jugendlichen, die ich da kennengelernt hatte und von denen jeder zwei Handys besaß (eins fürs Internet und eins fürs Telefonieren), von ihren Eltern abgeholt wurden.

Das Hightlight dieses Ausflugs war aber auf jedenfall die Durchsage, dass die Strecke bis früh um 4 gesperrt ist. An diesem Zeitpunkt hatte ich Peter wirklich gebeten mich abzuholen. Dem verzweifelten Jungen neben mir wollte ich freundlicherweise anbieten, dass Peter ihn ein bisschen mitnehmen könnte. Aber nachdem er seine Mutter am Telefon mit dumme Hure und anderen netten Dingen tituliert hatte, sah ich ab von meinem Vorhaben.

Da auch noch so eine äußerst nervige Oma, die die ganze Zeit im Gang stand und die ganze Zeit vor sich hin gebrabbelt hat. Die war so unglaublich nervig. Sie hat jede Handlung der Zugführer neunmalKLUK kommentiert und mich sogar gefragt, was die Schaffner gesagt hätten, als ich vom Klo wiederkam. Das war sooooo nervig.

Zum Glück fuhr der Zug dann spontanerweise wieder weiter. Zwar nicht nach Glauchau aber nach Gößnitz aber das reichte mir. Peter befand sich zu dieser Zeit schon in dieser Gegend. Es war 22:30 Uhr. 17:25 bin ich in Weimar losgefahren.

Lange Rede kurzer Sinn. Die Bahn ist beschissen und Peter ist der Beste.

Mein Dozent hat gestern auch erzählt dass ein bulliger Bahnmitarbeiter gesagt hat, dass er immer drei Stunden eher fahren muss, damit er pünktlich zur Arbeit kommt. Das sagt doch viel aus.