Friday Fail #21 – Das deutsche Fleisch.

Anfänglich muss ich erstmal etwas anderes verkünden: Ich habe jetzt genau 5 Jahre meinen Führerschein. Ja, ich habe an einem Freitag den 13. meine praktische Prüfung bestanden. Ich fühle mich so alt.

So genug Sentimentalitäten versprüht – jetzt gehts zu dem richtigen Kram. Ich kann mich in diesem Moment nicht wirklich entscheiden, worüber ich mich heute aufregen will. Entweder über den Festival Rider/Running Order vom Rock Im Betonwerk oder über die Fleischzubereitung von den Deutschen. Aber ich denke, dass es aus diversen Gründen besser ist, wenn ich die Festivalmeckerei verschiebe, bis das RIB vorbei ist.

ACHTUNG, ACHTUNG!!! Dieser Eintrag ist nichts für Vegetarier/Veganer. Es tut mir wirklich leid.

Um es ganz kurz und prägnant zu machen: Die Meisten wissen nicht was sie machen. Da ich ja schon alt bin, kann ich das beurteilen. Sehr oft hat das Fleisch die Konsistens einer Schuhsohle und hängt faserig zwischen den Zähnen. Besonders extrem ist es beim Grillen: Alles muss solange auf dem Grill sein, bis es dreimal auf jeder Seite durchgegrillt ist und eine leichte Asphaltfärbung hat. Das dann alles nach Nichts schmeckt muss ich doch nicht noch extra erwähnen? Da helfen auch die leckersten Barbecue-Soßen nicht mehr.

Ich versteh es auch nicht, wieso wir bei allem irgenwelchen anderen Ländern nachgeifern und begeistert detailgetreu deren Rezepte nach kochen, aber trotzdem wird dann das Fleisch in einem – zum Beispiel französischen Rezept – durch und durch deutsch zubereitet. Somit scheitert die Perfektion letztendlich daran, dass der Deutsche im Inneren immer dreimal 100 Prozent sicher gehen will, dass sich nichts mehr auf seinem Teller bewegt. Der allgemeine Deutsche Durchschnittskoch meint es einfach zu viel zu gut bzw legt keinen Wert darauf. Folglich ist das meiste Fleisch trocken und ist nur noch mit Hilfe der Beilagen essbar. Freude am Genuss = 0!

Wieso weiß niemand, dass Fleisch mehrere Garstufen als „Schuhsohle hat? Keiner kennt zum Beispiel den Begriff Medium.

Da kommt aber wieder das Verwerfliche: Wenn schon etwas sterben musste, dann sollte es doch wenigstens die beste Zubereitung genießen, die es gibt, um dann auch klasse zu schmecken und um nicht umsonst gestorben zu sein. Ich vermute einfach mal, dass es daran liegt, dass keiner mehr Nahrung wirklich als wertvolles Gut ansieht und damit dementsprechend umgeht. Nach meinen Beobachtungen ist der Umgang damit eher wie mit irgendeinem Abwaschlappen. (Geschmack würde dann letztendlich gleich sein.)

An dieser Stelle kommt noch ein wenig Konsumkritik: Es gibt zu viel, es kostet zu wenig. Keiner legt mehr großartigen Wert darauf lecker/gesund zu kochen. Beziehungsweise könnte ich mir sogar vorstellen, dass die Meisten nichteinmal wissen, wie man richtig gut kocht.

Wie ich auf das Thema komme? Ich bin letztens in den Geschmackshimmel eingetreten, als ich mir nach sehr viel Protest und abraten aller männlichen Anwesenden mein Steak 5 Minuten vor der angeblichen Fertigstellung vom Grill genommen habe. Es war sogar kau- und schneidbar. Man muss also doch das Zepter selbst bei der Männerdomäne Grillen an sich reißen um etwas Gutes und leckeres zu bekommen. Vorher hatte ich beim Grillen einfach meistens (sofern vorhanden) immer nur Salat, Foliengemüse und Toast gegessen.