Friday Fail #15 – Bärlauch.

Bärlauch. Mit Widmung an Lulu.

Als allererstes muss gesagt werden, dass ich genauso gespannt bin wie ihr, was ich in diesen Eintrag schreiben werde. Ich weiß es noch nicht. Ich improvisiere ab hier.

Wieso hasse ich dieses Getrüpp so sehr, dass es einen eigenen Anti-Anti-Platz in meinem Blog bekommt? Vielleicht muss ich erwähnen, dass ich allgemein nicht der Fan von Saisondelikatessen bin. Wenn ein Lebensmittel meinen Magen erobern will, dann sollte es die Maßgabe des steten Vorhandenseins erfüllen. Die Ausnahme bilden hier Orangen. Die sind einfach im Winter am leckersten.

Ich bin nebenbei auch kein Fan davon, dass mir eine Saison vorschreiben will, was ich zu essen habe. „Nee, du wir haben Sommer und das ist doch ein Wintergericht.“ Das ist mir vollkommen egal. Wenn ich etwas bestimmtes essen will, dann tue ich das auch. Egal ob ich im Nachhinein zu viel Energie/Fett zu mir genommen habe… Noch mag mich mein Stoffwechsel.

Ableitend von meiner Ablehnung gegenüber saisonalvorschreibender Nährungszunahme ergibt sich auch, dass ich es hasse, wenn man es mit den Saisongütern übertreibt. Als Beispiel kann man hier den Genuss von Holunderbeersuppe sehen. Hat man einmal so einen beschissenen Baum im Garten stehen muss man die reifen Früchte nunmal ernten. Man will die ja nicht verkommen lassen. So gibt es dann für 3+ Wochen jeden Abend Holunderbeersuppe. Muss ich erwähnen, dass ich diese auch nicht wirklich gern esse?!

Eine weitere Außnahme ist Spargel. Die Spargelzeit ist so kurz, dass die mir nicht auf den Keks geht.

Jetzt habe ich die Umstände annähernd allumfassend geschildert, worauf sich meine Abneigung gegenüber dem deoverweigernden Grünzeug stützt. Nachfolgend werde ich halbwegs genauer meine Ablehnung aufschlüsseln.

Fangen wir ersteinmal von dem Geruch an. Es könnte anhand dessen den Knoblauch ablösen, aber wer will das schon. Knoblauch macht einen guten Job, den brauch man nicht feuern. Weiterhin mag ich die Explosion neuer Produkte in den MoPro (Molkeprodukt) Abteilungen der Einkaufszentren nicht. UUUHHH! OOOH! Ein Bärlauchfrischkäse. Bärlauchleberwurst. Bärlauchpesto. Bärlauch… Es ist doch eigentlich nur ein Ersatzprodukt. Der Wirtschaft fällt doch nichts mehr ein, deswegen muss man funktionierende Produkte mit diesen Saisongenüssen/Ersatzprodukten kreuzen und auf viel Erfolg hoffen…

Ich kann mir vorstellen, dass Ersatzprodukte nie wirklich toll waren und sind. AUßerdem waren die Produkte, bevor sie mit Bärlauch gekreuzt wurden, unverbesserlich gut bzw wesentlich besser. Es lässt mich eher in meiner Essens-Religion zweifeln. Wieso müss man etwas funktionierendes und leckeres mit etwas widerwärtigen zusammenschmeißen und so meine Religion bzw etwas funktionierndes zerstören. Das erinnert mich so ein bisschen an Myspace, die unbedingt alles redesignen mussten. Jeder weiß wie das ausgegangen ist.

Desweiteren sieht es äußerst dämlich aus, wie die Leute im Gebüsch umherschleichen und nach dem zweiblättlichen Kleeblatt der Gastronomie zu suchen. Es ist fast so, als hätte irgendeiner Vermutungen angestellt, dass Bärlauchfelder die Behausungen von Kobolden mit viel Geld bzw die Anfangspunkte von Regenbögen seien. Es wäre schön, wenn das wahr wäre. Dann würde ich womöglich meinen Hass überwinden. Wer will denn nicht auf einem Regenbogen tanzen?

Als letztes (was mir einfällt) kommen wir zum Geruch. Meine nette Mitbewohnerin fand es äußerst amüsant gerochene 30 Kilo vom der grünen Pest in unsere Wohnung zu holen und im echten Schneckentempo zu verarbeiten. Die Menge an Geruch ist nicht übertrieben, denn ich konnte diese Nasenschmeichler schon unten auf der Straße an der Haustür riechen und so darauf schließen, dass sie wieder durch den Wald gekrochen ist. Zur Info: Wir wohnen im zweiten Stock und die Küche ist extrem weit von der Wohnungstür entfernt.

Zu meiner Freude hat es nach noch mehr als eine Woche immernoch nach einem Bärlauch-Armee-Massacker gerochen. Fast so als, wären befeindete Bärlauchstämme gegeneinander in den Küchenkrieg gezogen und keiner hat überlebt. (Ja sterbt!)

Achso. Das Pesto, welches aus den Leichen produziert wurde, war auch nicht wirklich geil. Ok. Das war sehr harmlos ausgedrückt. Es hat mir fast meine ganze Speiseröhre weggeätzt. Ehrlich das schlechteste Pesto der Welt. Somit kann ich jetzt mit einem Verweiß auf bereits gesagtes meine Argumentation schließen und abschließend sagen: Die Entscheidung der Industrie mit Bärlauch zu experiementieren, war und ist eine der größten Fehlentscheidungen den sie je gemacht hat.

Phew. Kurve nocheinmal bekommen.